Der Analytiker und seine Projekte
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jedoch eine ganz andere, es zu VERSTEHEN.

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 Bewußtsein versus Geist/Physik 

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Fachschaft

Gibt es nun eine Sexualwissenschaft
oder gibt es sie nicht?

Nach all den Recherchen, kann ich dazu nur sagen: "Wollen tut man da schon, das Eine oder das Andere. Die Einen ein bißchen mehr, die anderen aber leider doch nur ein viel zu kleines bißchen. Nur, können tun sie alle nicht!" Dazu möchte ich zunächst einmal die einzige Institution in Deutschland zitieren, welche deklarationsmäßig vorübergehend als einzige "eigenständige" sexualwissenschaftliche Institution Bestand hatte. Es handelt sich hierbei um Auszüge aus "die Geschichte der Sexualwissenschaft", Jahrgang 2008 von Volkmar Sigusch:

S. 27: "Die Wissenschaft hat den Durchschlagsgrad eines Objektivs erreicht und liefert einen neuen, generell verbindlichen Maßstab zur Untersuchung und Beurteilung des Geschlechts- und Liebeslebens, der die religiöse Weltsicht ablöst."

S. 146: "Die grichisch-lateinischen Sprachzwitter Homosexualismus/Homosexualität, Homosexualisten/Homosexualistinnen usw. wurden von Kertbeny erstmalig 1869 öffentlich, aber anonym verwandt, als er Ulrichs, dem zeitweilig politisch zuarbeitete, mit dem er jedoch sexualtheoretisch keineswegs übereinstimmte, gegen das Pönalisieren der mannmännlichen Liebe zu Felde zog, wobei er sich selbst immer wieder und ein wenig zu forciert als normalsexual bezeichnete."

S. 510: "Am Ende des 19. Jahrhunderts war nicht mehr zu übersehen, daß die sexuelle mit der sozialen Frage, mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Glück und Leidenschaft, nach dem Verhältnis von Mensch zu Mensch als einem menschlichen zusammenfiel. Denn die neue Kultur, in der sich das Sexuelle als eigenständige Form installierte, basierte nicht zuletzt auf der Idee, Mann und Frau sollten sich in freier, gleicher, individueller Liebe auf Lebensdauer verbinden und vermehren."

S. 434: "Nach einigem Hin und Her hatte der Fachbereich Medizin der Universität Hamburg Volkmar Sigusch im Februar 1972 die Venia legendi genannte Lehrbefugnis erteilt. Sie bezog sich zum ersten Mal allein und uneingeschränkt auf das Fachgebiet Sexualwissenschaft, das damit mehr als einhundert Jahre nach seinem Erscheinen endlich als selbstständiges Universitätsfach anerkannt wurde."

S. 522: "Da sich die somatologisch-kausalistische Bewältigungsphysik, die von den Hau-ruck-Relationen Anlage/Umwelt oder Ursache/Wirkung, in den so genannten Naturwissenschaften längst theoretisch überwunden, nicht loskommt, mit Vorliebe auf das von der Norm Abweichende richtet, fragt sie ihrer eigenen Logik zum Trotz nicht nach den Ursachen der Heterosexualität, aber, wie Freud (1910) in der zweiten Auflage seiner Abhandlungen zur Sexualtheorie monierte, natürlich (und das meint in unserer Kultur immer gesellschaftlich) nach den Ursachen der Homosexualität. Dem widerspricht fortschrittlich gesonnene Sexuologie kategorisch, aber nicht kategorial, indem sie einfach invers naturalistisch meint. Insbesondere dann, wenn sich Minderheitenvertreter oder Sexualpolitiker außerstande sehen, den Angehörigen verpönter Minoritäten die vollen Menschenrechte mit Vernunftsgründen oder solchen einer menschenfreundlichen Ethik zuzusprechen, ist Biologie gefragt - als liefere die äußere Natur aus sich heraus die Maßstäbe für menschliche Freiheit und Gerechtigkeit, als sei sie nicht unfrei (richtiger: freiheitslos) und ungerecht (richtiger: gerechtigkeitslos), weil sich diese Kategorien an sich gar nicht anlegen lassen."

S. 529: "In erster Hinsicht ist die sexuelle Frage eine gesellschaftlich-soziale Frage und damit eine politische, in zweiter Hinsicht ist sie eine psychische und erst in letzter Hinsicht ist sie eine medizinisch-therapeutische, weil die gesellschaftlichen Objetivationen vorgängig sind und, zum Beispiel, Kinder nur dann Mann und Frau als gleichwertig erleben können werden, wenn sie es allgemein tatsächlich sind. Die sexuelle Frage ist trotz der Dominanz von Ärzten im Bereich der universitären Sexualwissenschaft außerdem in letzter Hinsicht medizinisch-therapeutisch, weil die unglücklich oder krankmachende Gesellschaft nicht behandelt werden kann, weil Therapie und Politik aus theoretischen Gründen zwei Dinge sind und aus Gründen der Humanität zwei Dinge sein müssen. Kritische Sexualwissenschaft weiß also, daß jede Geschlechts- oder Sexualtheorie politisch oder ideologisch ist."

Wie es sich darstellt, ist die Thematik der allgemeinen Darstellung von Bisexualität in der Sexualwissenschaft keine Thematik für sich, sondern Fakt der zwiespältigen Auseinandersetzung mit der allgemein-wissenschaftlichen Gegebenheit. Ich bin nicht erstaunt, wie sich hier die Parallelen zwischen der Substanzierung der Bisexualität und Substanzierung der Sexualwissenschaft auftun und sich klar darstellt, daß sie sich ihrer Existenzgrundlage berauben würden, wenn sie spezifischer darauf eingehen würden. Aber wie manifestiert sich die Sachlage jetzt konkret? Zunächst einmal kann man von einer eigentlichen Sexualwissenschaft gar nicht sprechen. Dieses Institut war das Einzige, welches eine derartige Deklaration auch sachlich beinhaltete und in welcher es "im Ansatz" eine sexualwissenschaftliche Ausbildung gab. Alle diejenigen Institutionen, die anderweitig als sexualwissenschaftliche Institutionen auftreten, sind "einzig" Unterabteilungen medizinischer Institutionen und damit verbunden auch einzig mit medizinischer oder psychologischer Ausbildung. Darüber hinausgehend hat man es mit einer großen Zahl an Akteuren zu tun, die nicht der medizinischen Fachschaft angehören: die Biologen, die Anthropologen, die Soziologen usw.. Dazu kommen vor allem noch die wissenschaftlich Promovierten, deren Fachschaft außeruniversitär tätig ist. Als Bindeglied letztendlich fungieren all die wissenschaftlichen Veröffentlichungen von all diesen Beteiligten.

Gibt es jedoch überhaupt
einen wissenschaftlichen Bezug zum Unterbewußtsein
und somit auch zur mentalen Veranlagung?

Nein,
denn aufgrund ihres Prinzips,
daß nur das wissenschaftlich ist, was nachweislich beweisbar ist,
können sie sich weder der imateriellen Substanz,
noch dem Dualismus widmen!

Hinzu kommt noch das Bestreben für die Einheit, was sich über die Physik auch deklariert (e = m2). Über diese Vorgabe wird klar, daß sie dabei sind, sich selbst von der Differenzierung von Energie und Materie zu lösen. Hierüber kann man sich auch veranschaulichen, wie es um deren Verhältnis zur menschlichen Beschaffenheit bestellt ist, wo dies doch die Auflösung der Differenzierung von Geist und Körper einfordert. Es ist also kein Wunder, daß man es hierin einzig noch mit medizinisch materieller Relevanz zu tun hat.

Es ist äußerst schwer nachvollziehbar, wie man die Natur auf diese Art und Weise noch beschreiben soll, aber es ist ja doch Bestandteil der wissenschaftlichen Prinzipien, Bestandteile des Seins außen vor stehen zu lassen und doch irgendwie ansatzweise zu händeln. So gilt in der Chemie, daß alles, was der Physik angehört, nicht Bestandteil von Chemie ist. Dazu einmal ein Beispiel, wie sich das gestaltet: bei der chemischen Formel, wie z.B. beim Wasser wird der energetische Bestandteil einfach weggelassen. Die Entwicklungen dort hin kann man sehr gut über die Thematik Phlogiston nachvollziehen.

H2O [+ Energie] = 2 x H + O = wissenschaftlicher Fachbereich Chemie

Aus diesem Ordnungssystem ergibt sich dann auch:

[materielle] Körperlichkeit + Physiologie [+ mentale Körperlichkeit]
↑ ↓
Mensch
↑ ↓
wissenschaftlicher Fachbereich Medizin

Vielleicht ist das noch nicht so ganz deutlich. Maßgabe ist nicht das Sein des Menschen, sondern das Sein von Wissenschaft, sodaß man sich darüber in erster Linie darüber klar sein muß, damit man da nicht in die Irre läuft. Es gilt das Prinzip des wissenschaftlich Machbaren und darüber werden wir gerade auf medizinischer Ebene ausreichend informiert, wie sich das von Mensch sein differenziert.

Bezüglich der Psychologie hapert es diesbezüglich jedoch gewaltig. Deren Vorgaben werden ja ausgehend von der Physik, über die Medizin dort hingeleitet. Somit schränkt sich deren Bereich auf das ein, was über das Gehirn, respektive Gehirnströme, faßbar ist. Dies sind jedoch einzig die physiologischen Bestandteile und nennt sich somit Physiologie und nicht Psychologie. Hat man dort etwa übersehen, daß die Psyche sich auf das Seelenleben bezieht. Nein keinewegs, man hat nur einen differenziertes Verhältnis dazu, sodaß man davon ausgeht, daß das Seelenleben ein Bestandteil des Geistes sei. Nicht umsonst jedoch geht der Spruch um, daß die Psychologen Diejenigen sind, welche am nötigsten einen Psychologen benötigen. Nur ist halt aufgrund dieses Sachverhaltes der Psychologe kein geeigneter Ansprechpartner. Gerade dort ist es absolut überfällig, daß der Geist endlich einmal seine eigene Beschränktheit in Betracht zieht.

Hierüber wird dann auch klar und deutlich, daß es keine Abhandlung von veranlagten sexuellen Ausrichtungen gibt und auch nicht geben wird in diesem Bezug des öffentlichen Händlings. Deren einzige Maßgabe ist und bleibt die des körperlichen Geschlechtes. Die Wissenschaft ist da halt doch noch irgendwie bi-orientiert, jedoch handelt es sich nach ihrer eigenen Aussage bei Bi ja doch nur um eine 'Störung', die man behandeln kann.

Jörg Lenau
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65549 Limburg/Lahn
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